Impulse aus dem Unternehmen
16. Juli 2026Stefan Bürner, Leitung Immobilienverwaltung: Die Bau- und Immobilienbranche steht vor Veränderungen. KI, Robotik und demografischen Herausforderungen halten Einzug. Bürner betont: „KI ist in diesem Bereich ein Stück hinterher“. Doch sie revolutioniere bereits Planung, Dokumentation und Fördermittelrecherche – etwa bei Ausschreibungen oder Massenermittlungen. Allerdings stößt Künstliche Intelligenz an Grenzen: Menschliches Know-how bleibt unverzichtbar.
Robotik auf Baustellen scheitert oft noch an Wind und Wetter; doch Vorfertigung, 3D-Druck und Exoskelette für körperliche Entlastung gewinnen an Bedeutung. Bürners Ausblick: „Standardisierung statt Individualisierung ist die Zukunft“ – damit Bauen bezahlbar bleibt. Gleichzeitig bremsen zu viele Regularien die Innovation. Ein weiteres Problem: Die Branche muss attraktiver werden, um den Fachkräftemangel zu bekämpfen. Die Zukunft liegt in der Symbiose: Langfristig werde die Digitalisierung die Bauplanung beschleunigen, doch der Mensch bleibe zentral – besonders bei kreativen und sozialen Aspekten wie Architektur oder Quartiersgestaltung.
Diakonin Heidrun Martini, fachliche Leitung RDA: Die Altenhilfe steht vor einem Teilkollaps. „Deutschland altert, die Babyboomer brauchen Pflege – doch 300.000 bis 400.000 Fachkräfte fehlen.“ Die Lösung? Technik und Gemeinschaft. Smarthome-Systeme, Robotik und digitale Assistenzsysteme werden Pflege machbar machen, „aber nicht menschlicher“. Gleichzeitig müssen Quartiere und Nachbarschaftsnetzwerke gestärkt werden, um Selbsthilfe zu fördern – etwa durch „Zeitvorsorgekonten“, bei denen Menschen Stunden für spätere Unterstützung sammeln.
Martini fordert mutige Reformen: „Wie konzipieren wir Pflege neu?“ Ohne Veränderungen drohe eine Zweiklassen-Gesellschaft, in der Angehörige eine hohe Last tragen. Ihr Fazit: „Technik und sorgende Gemeinschaften müssen verknüpft werden.“ Die Zukunft der Pflege hängt davon ab, ob es gelingt, Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen, Teilhabe zu stärken und die Systeme so umzubauen, dass sie nicht nur überleben, sondern Lebensqualität sichern und „den Jahren mehr Leben geben“.
Diakon Mathias Kippenberg, Leitung Stiftungszentrum: Das Stiftungszentrum bewegt sich in einem Wachstumsmarkt: Immer mehr Menschen regeln ihren Nachlass – doch die Betreuung ist komplex. „Die Hälfte derer, die uns ein Testament zusagen, ändern es nochmals“, erklärt Kippenberg. Die Herausforderung: Viele Stifter*innen sind über 80 Jahre alt und benötigen intensive Begleitung. Gleichzeitig stehe die Generation der Babyboomer vor der Frage, wie sie ihr Erbe organisiert. Kippenbergs Team muss hier Lösungen finden, denn „das Geld bleibt uns – es wird uns nicht mehr genommen“. Die meisten Mittel fließen in die Rummelsberger Einrichtungen, doch die Betreuung der Stifter*innen erfordert Fingerspitzengefühl.
Die Frage für die Zukunft: Wie lässt sich die Arbeit der Rummelsberger langfristig finanzieren? Sein Ausblick: Stiftungen werden eine zentrale Rolle spielen, um die diakonische Arbeit auch in Zukunft zu sichern. Gleichzeitig müsse die Beratung individuell bleiben, um den Bedürfnissen der Stifter*innen gerecht zu werden.
Diakon Peter Barbian & Diakonin Christine Meyer, Leitungen der Gemeinschaften: Die Rummelsberger Brüderschaft und die Diakoninnen-Gemeinschaft stehen vor einem doppelten Wandel: inhaltlich und finanziell. „Vor 150 Jahren begeisterte Wichern Menschen für Gemeinschaft – heute müssen wir sie neu denken“, sagt Barbian. Die Brüderschaft (1.500 Mitglieder) und die Diakoninnengemeinschaft (310 Mitglieder) wollen sich öffnen: Caring Communities sollen nicht nur für einen kleinen Kreis, sondern für alle zugänglich sein. „Wir sind Experten für Gemeinschaft – das können wir anbieten“, betont Barbian.
Gleichzeitig wird die Ausbildung reformiert: weniger kirchlich geprägt, mehr kultur- und religionssensibel. Die Finanzierung ist eine weitere Hürde: Während die Brüderschaft eine Hybrid-Stiftung gründet hat (mit „Ewigkeitskapital“), kämpfen die Diakoninnen mit strukturellen Problemen – viele arbeiten Teilzeit, grundsätzlich ist deshalb weniger Finanzkraft vorhanden. „Wir brauchen mehr ehrenamtliches Engagement“, so Meyer. Die Zukunftsvision: Gemeinschaften, die tragen, ohne auszuschließen – finanziell abgesichert und inklusiv.
Diakonin Tina Dehm, fachliche Leitung Berufliche Schulen: KI ist an den Rummelsberger Schulen längst Realität: „70 Prozent der Lernenden nutzen sie – das verändert Lernen und Prüfungen“, erklärt Dehm. Die Technologie bietet Chancen, etwa für Übersetzungen oder individuelle Lerninhalte, doch sie birgt auch Risiken: „Lernende nutzen KI als Abkürzung – sie nehmen sich ihren eigenen Lernerfolg.“ Die Schulen passen sich dynamisch an: Die KI-Richtlinien wurden seit 2024 bereits dreimal überarbeitet.
Dehms Ausblick: Ein Erasmus-Projekt zur KI-Kompetenz von Lehrkräften startet im November. „Wir müssen alle mitnehmen. Die Zukunft liegt in der Balance: KI als Werkzeug nutzen, ohne dass Schüler*innen das Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten verlieren. Gleichzeitig müssen Lehrkräfte geschult werden, um die Technologie didaktisch sinnvoll einzusetzen. Dehms Appell: „KI ist kein Allheilmittel – sie muss kritisch reflektiert werden.“
Leonhard Kemnitzer, Leitung Kommunikation & Marketing: Die Rummelsberger Diakonie ist bekannt – „aber niemand kennt das ganze Bild“, sagt Kemnitzer. Sein Ziel: „Relevanz sichtbar machen, Wirkung greifbar machen, Reichweite erhöhen.“ Die Herausforderung: In einer Zeit, in der Aufmerksamkeit knapp ist, muss die Diakonie ihre Themen strategisch platzieren. Die Aussage? „Wir sind kein Kostenfaktor – wir sind Teil des Systems“, betont Kemnitzer.
Sein Plan: Geschichten erzählen, die deutlich machen, wie die Rummelsberger Diakonie Menschen in allen Lebensphasen begleitet – von der Kita bis zur Altenhilfe. „Die Geschichten sind da – wir müssen sie nur zeigen.“ Kemnitzers Vision: „Wir müssen rausgehen und unsere Themen nah am Menschen darstellen.“ Nur so lässt sich die gesellschaftliche Bedeutung der Diakonie sichtbar machen.
Diakon Volker Deeg, fachliche Leitung RDB: Die Eingliederungshilfe steht vor einem Paradigmenwechsel: „Michelangelos David-Prinzip – wir müssen alles wegschlagen, was nicht zum Wesentlichen gehört“, sagt Deeg. Die Klient*innen werden anspruchsvoller (mehr Verhaltensbesonderheiten und steigender Pflegebedarf), während die Mitarbeitenden weniger belastbar sind – doch ihre Fachlichkeit und ihr Pragmatismus sind ihre Stärken.
Deegs Zukunftsbild: „Wir müssen uns auf das konzentrieren, was Menschen wirklich brauchen, um selbstbestimmt zu leben.“ Das bedeutet, überflüssige Strukturen abzubauen und die Arbeit auf die Kernthemen zu reduzieren. „Wir können Künstler sein – wir müssen nur den Mut haben, das Wesentliche zu gestalten.“ Gleichzeitig wird der demografische Wandel die Herausforderungen verschärfen. Deegs Appell: „Lasst uns die Eingliederungshilfe neu denken – radikal und fokussiert.“
Diakon Thomas Grämmer, fachliche Leitung RDJ: Die RDJ blickt optimistisch in die Zukunft: „Wir können Krisen“, sagt Grämmer. Die anstehende Reform des SGB VIII (Kinder- und Jugendhilfe) birgt Licht und Schatten: Einerseits wird der Sozialraum gestärkt, andererseits drohen Einsparungen von bis zu 2,75 Mrd. Euro. Grämmer relativiert: „Die Politik interpretiert die Zahlen falsch – unser Wachstum ist normal.“ Die Erziehungsberatung sei zum Beispiel um 21.000 Fälle gestiegen – ein Zeichen für niedrigschwellige Hilfe, die bei den Menschen ankomme.
Die größte Herausforderung: die Zusammenführung von Kinder- und Jugendhilfe und Eingliederungshilfe für Kinder und Jugendliche bis 2032. „Wir wissen nicht, wie sich die politischen Mehrheiten entwickeln und wie die Dinge umgesetzt werden“, sagt Grämmer. Sein Ausblick: Die RDJ wird sich weiterentwickeln – „nicht trotz, sondern wegen der Krisen“. Die Zukunft liegt in einer Verantwortungsgemeinschaft zwischen freier und institutioneller Jugendhilfe. „Wir haben die DNA für Veränderung – das macht uns stark.“