Stummfilm-Klassiker im Diakoniemuseum in Rummelsberg

02. November 2026

Rummelsberg – Eine filmgeschichtliche Kostbarkeit bietet das Diakoniemuseum Rummelsberg am Sonntag,  8. November 2026, um 17 Uhr im Besucherzentrum (Rummelsberg 45). Exakt 90 Jahre nach seiner Uraufführung wird der Stummfilm „Einer trage des anderen Last“ gezeigt, der 1936 von der Evangelischen Bildkammer Bayern produziert wurde und Beispiele diakonischer Arbeit in Bayern präsentiert. Es war der letzte von der Bildkammer gefertigte Langfilm. Ulrich Nehls aus Erlangen sorgt für stimmungsvolle Live-Improvisationen am E-Piano.

Im Mittelpunkt des Films stehen Menschen – eine überforderte junge Mutter mit zwei Kindern, eine Schreinerfamilie mit einer körperbehinderten Tochter und einem älteren Sohn auf Sinnsuche –, denen Diakonissen und Diakone aus verschiedenen Lebensnöten helfen. Regie führte Friedrich Paulmann aus Berlin, das Drehbuch stammte von Maja Frör, der Tochter des Rummelsberger Rektors Karl Nicol. 

Die Erzählungen beruhen auf wahren Begebenheiten. Zu sehen sind unter anderem Szenen aus der alten, noch unzerstörten Nürnberger Innenstadt, aus dem Kinderheim Garmisch-Partenkirchen, aus dem damaligen Arbeitsheim Weiher bei Hersbruck sowie aus den damaligen Rummelsberger Anstalten und dem Wichernhaus Altdorf. Besonders bemerkenswert sind Filmaufnahmen aus den heutigen Museumsräumen, die in den 1930er Jahren als Bäckerei dienten.

Ein Schatz der Filmgeschichte

Gegründet 1924 zählte die Evangelische Bildkammer zu den einflussreichsten Filmorganisationen Bayerns. Ihre teilweise selbst produzierten Streifen gehören zu den ältesten Sozialdokumentationen der deutschen Filmgeschichte. In den späten 1920er Jahren erreichte sie mit einem bayernweiten Wanderkinobetrieb ein Millionenpublikum.

Wegen interner Zerwürfnisse stellte der Landesverein für Innere Mission, unter dessen Dach die Bildkammer agierte, den Betrieb Anfang 1934 ein. Erst die Erfahrungen des „Kirchenkampfes“ führten zu einer neuen Wertschätzung kirchlicher Öffentlichkeitsarbeit, die in der Produktion des Filmes „Einer trage des anderen Last“ gipfelte. Zur Premiere am 8. November 1936 in der „Neuen Bilderbühne“ in Nürnberg reiste Landesbischof Hans Meiser an, ein Bläserquintett aus Rummelsberger Diakonen sorgte für die musikalische Umrahmung. Obwohl der Film als Stummfilm technisch hinter den damaligen Standards zurückblieb, wurde er in den folgenden Monaten und Jahren in allen rund 1.200 Kirchengemeinden Bayerns sowie in anderen Teilen Deutschlands, Österreichs und Südamerikas mit großem Erfolg gezeigt. Ein den Kirchengemeinden mitgelieferter Programmzettel wies die Vorführung als geistliche Veranstaltung aus. 1941 musste die Bildkammer ihren Betrieb endgültig einstellen. Erst 1948 gelang der Wiedereinstieg – mit dem Film „Einer trage des anderen Last“.

Veranstaltungshinweis

Museumsleiter Dr. Thomas Greif liefert eine film- und zeitgeschichtliche Einordnung des Streifens. Das Museum ist an diesem Tag ab 14.30 Uhr geöffnet.

  • An einer Tür hängt das Filmplakat zum Film.
    An einer Tür hängt das Filmplakat zum Film.
  • Eine Zensurkarte der Nürnberger Bildkammer für den Stummfilm „Einer trage des anderen Last“.
    Eine Zensurkarte der Nürnberger Bildkammer für den Stummfilm „Einer trage des anderen Last“.
  • Ausschnitt aus dem Stummfilm „Einer trage des anderen Last“.
    Ausschnitt aus dem Stummfilm „Einer trage des anderen Last“.