Transformation mit Haltung

16. Juli 2026

 „Wir leben ein großartiges Leben – aber ob es so bleibt, hängt davon ab, ob wir unser Bestes geben.“ Mit diesen Worten eröffnete Armin Kroder, Landrat Nürnberger Land, seine Keynote und machte gleich zu Beginn klar: Transformation ist eine Frage der Haltung. Der 53-Jährige, seit 2008 im Amt, sprach über die Herausforderungen der Kommunalverwaltung, die Balance zwischen Bürokratieabbau und sozialer Verantwortung – und warum Nachhaltigkeit heute mehr bedeutet als nur Umweltschutz. „Transformation ist kein Schicksal, sondern eine Entscheidung“

Sein Credo: „Transformation sollte eine Motivationslage sein.“ Wer nur reagiere, verliere die Kontrolle. Wer dagegen steuere, gestalte. Ein Beispiel? Die Baustellen auf dem Weg zur Konferenz: „Man kann schimpfen – oder früher losfahren. Ich entscheide mich für Letzteres.“

Doch was treibt ihn an? Kroder, aufgewachsen auf einem Bauernhof, hat drei Kinder – eines davon schwerstbehindert. Er kennt die Themen der Rummelsberger Diakonie aus persönlicher und professioneller Perspektive. „Am Ende kann es jeden treffen“, sagte er. „Deshalb ist es unsere gemeinsame Verantwortung, die zu unterstützen, die Hilfe brauchen.“

Nachhaltigkeit: Mehr als Ökologie – eine Frage der Demokratie

Kroder warnte vor einer Verengung des Nachhaltigkeitsbegriffs: „Vor 300 Jahren ging es darum, den Wald nicht komplett zu roden. Heute umfasst Nachhaltigkeit vier Dimensionen – und eine davon ist die kulturelle.“ Seine Sorge: Die Demokratie sei unter Druck wie nie zuvor in seinem Leben.

Drei Krisen prägten die letzten Jahre:

  • 2015/16: Die Fluchtbewegung
  • 2019/20: Die Corona-Pandemie
  • 2022: Der Ukraine-Krieg

Seine Forderung: „Wir müssen uns vorbereiten – nicht aus Kriegsgeilheit, sondern damit niemand auf die Idee kommt, uns anzugreifen.“ Die Aufrüstung der Diehl Defence im Landkreis sei dabei kein Widerspruch zur Sozialpolitik: „Wirtschaftlich bringt uns das was. Und wenn Kiew heute noch steht, dann auch dank dieser Abwehrsysteme.“

Doch Kroder mahnte auch zur Ehrlichkeit: „Wir dürfen der Bevölkerung nicht Wasser als Wein verkaufen.“ Ob Rentenreform („Wir werden länger und besser alt – das muss diskutiert werden“) oder Klimaschutz („Ökologie ist wichtig, aber nicht alles ist ihr unterzuordnen“): „Transformation braucht Gelassenheit – und klare Kante gegen Populismus.“

Sozialer Landkreis? Ja – aber ohne neue Bürokratie!

Mit 170.000 Einwohner*innen und der Rummelsberger Diakonie als größter Arbeitgeberin sieht sich das Nürnberger Land als „sozialer Landkreis“. Kroders Statement: „Bürokratieaufbau ist der falsche Weg.“

Sein Beispiel: Schulbegleitung. „Wenn wir Inklusion ernst nehmen, müssen wir die 1:1-Betreuungen aufbrechen. Dass es Jahre dauert, so etwas gesetzlich zu regeln, ist ein Wahnsinn.“ 

Doch wie kommt man zu Kompromissen? Vorstand Karl Schulz brachte es auf den Punkt: „Es braucht Vertrauen.“ Kroder pflichtete bei: „Misstrauen lähmt. Aber wenn wir uns darauf einigen, dass die beste Lösung die beste ist – nicht die teuerste –, dann finden wir Wege.“

„Die AfD im Osten? Das muss Schockwellen auslösen“

Zum Abschluss formulierte Kroder einen politischen Weckruf: „Wenn die AfD im Osten so stark wird, wie die Zeichendeuter vorhersagen, dann muss das in Berlin Schockwellen auslösen.“ Seine Forderung: „Die demokratischen Parteien müssen gemeinsam nach außen auftreten.“

Insgesamt blieb Kroder optimistisch, die Lage im Landkreis sei besser als die Stimmung. „Wir sind die Generation Golf – wir hielten uns für unsterblich“, sagte er. „Aber die Welt war schon immer unsicher. Der Unterschied heute? Wir müssen uns entscheiden: Geben wir Hass und Hetze nach oder gestalten wir die Zukunft mit Zuversicht?“

Landrat Armin Kroder spricht zu den Rummelsberger Führungskräften - Füko 2026
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Lisa Vogel